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Barbara Denzler

baut ihre Objekte und Installationen meist aus Baustoffen der Heimwerkermärkte, aus Brettern und Leisten, Schienen und Stangen, Rohren und Netzen, Kacheln und Kordeln. Sie kauft indes nicht ein, was sie braucht, sondern sie sammelt, was bei anderen liegen bleibt: Reste, die aus allen Funktionssystemen herausgefallen sind, Material, dem keine Bedeutung mehr zugesprochen wird.
Im Atelier lagern all diese Dinge dann, bis Barbara Denzler anfängt, Ordnungen zu schaffen, das Disparate (wieder) in Zusammenhänge zu bringen. Die Kriterien sind zunächst formale: sie schichtet die verschiedenen Materialien zum Beispiel so kompakt wie möglich. Daraus ergeben sich neue Gegenstände: manche erscheinen ebenso kunst- wie funktionslos, zeigen nur, was sie sind: in eine - vorübergehende -Struktur gebrachte Materialien aus Formen, Oberflächen, Farbigkeiten. Andere könnten eine Funktion bekommen, als Ablage, als Tresen, als Sitzmöbel.

Barbara Denzler spielt mit dieser Schwelle, an der man den Dingen Bedeutung beimessen, sie Systemen zuweisen möchte, an der sie sich selber in ihrem Möglichkeits-Status ausweisen und Fragen aufwerfen: Ist diese Form von Funktionen bestimmt oder setzt die Form Strukturen frei: Wahrnehmungs-, Handlungs-, Denkstrukturen? Um diese Untersuchung weiterzutreiben, (über-) trägt Barbara Denzler ihre konstruierten Objekte wieder zurück in die Baumärkte und auf Baustellen. Was hat sich verändert in der Qualität, die von dem neu strukturierten Material nun ausgeht? Wie wirkt es auf sein Umfeld ein und umgekehrt? Kann man differente Ordnungssysteme - das der Werkstoffe und das des Werks - zusammendenken? Und wie wirken die beiden Informationsträger “Raum”. und “Material” aufeinander ein? Barbara Denzler's Werkbegriff weist stets über sich hinaus, öffnet sich für Versuchsanordnungen und Feldversuche.

Fragen nach der Gleichzeitigkeit verschiedener Ordnungen und ihrer Inkongruenz exerziert Barbara Denzler auch in der Kombination von plastischen Anordnungen und fotografischen Projektionen, bzw. im fotografischen Bild mittels Doppelbelichtungen durch. Auch wenn eines mit dem anderen, zum Beispiel das Bild eines Raumes mit einer plastischen Raumordnung, nicht in Deckung zu bringen ist, schafft die ästhetische Abstraktion einen Vorstellungs- und Wahrnehmungsraum, in dem diese Diskrepanzen zugelassen und darstellbar sind.

Neben den im Atelier gebauten Objekten und ihren Fotografien praktiziert Barbara Denzler sogenannte "Eingriffe" an Orten, an denen keine Kunst erwartet, bzw. diese nicht als solche ausgewiesen wird. Diese Interventionen erweitern die Ateliersituation in den Öffentlichen Raum. Barbara Denzler greift in konkrete Raumsituationen ein: beispielsweise bestrickt sie ein einziges kleines Feld eines Abzäunungsgitters mit Garn oder stapelt Bettwäsche säuberlich auf einigen Schaltkästen oder ergänzt die rot-weiße Markierung eines Laternenmasts mit weiteren, bunten Farbbändern. Die sonst eindeutige Logik an diesen öffentlichen Orten wird mit den ephemeren “Eingriffen”. von Barbara Denzler punktuell gesprengt, um einen unvermittelten Rahmen erweitert. Scheinbar sinnlose Dinge tauchen auf, wo alles doch seinen Sinn hatte und haben sollte. Barbara Denzlers "Eingriffe" sind temporär und tragen keine Signatur. Ihr einfaches Dasein reißt den, der sie sieht, vorübergehend aus der Befangenheit genormter Wahrnehmungsmuster.

Die größte sichtbare Komplexität konstruiert Barbara Denzler in ihren plastischen Installationen, wie sie sie 1997 im Bruchsaler Schloß ("Barock") oder 1999 in der Orgelfabrik in Durlach ("Landschaft") realisierte. Hier wurde das disparate Material nicht zu kleinen, kompakten Einheiten gebündelt, sondern zu einer Skulptur getürmt, bzw. verwebt, die sich netzwerkartig gegen die Geometrie des Raumes behauptete. In Durlach konstruierte Barbara Denzler eine Landschaft aus Industrieabfällen in der Fabrikruine, in Bruchsal korrespondierte die Barockarchitektur mit einer ebenso prächtigen und schillernden Fülle disparater Haushalts- (Rest-) Gegenstände. Die angebliche Unordnung des Werks provoziert Übertragungen, vom Material ausgehend:
Was verbindet eines mit dem anderen? Wie verbinde ich die Welt im Kopf? Statt mit eindeutigen Zuordnungen operiert Barbara Denzler mit einer Fülle von Möglichkeiten, mit Systemen, die vielfältige Anschlussmöglichkeiten offerieren, mit offenen Netzstrukturen. Lösungen sind nicht am Ziel orientiert, sondern an der Vielfalt von Möglichkeiten, die sie eröffnen. Was ist, ist provisorisch und ein Potential für etwas anderes. Es geht um die plastische Organisation eines prozesshaften Denkens, um die Erweiterung von Denk- und Handlungs- (spiel)räumen.

A.Stepken im Katalog zu <TOPSPIN>, 2000